Bernhard Langer

Bernhard Langer bei der Pressekonferenz zu den 35. BMW International Open | © BMW International Open

Conny Konzack und Bernhard Langer

25 Jahre Respekt und Bewunderung: Conny Konzack mit Bernhard Langer | © Conny Konzack

Bernhardt Langer

Immer fokussiert: Bernhard Langer | © Privat

Bernhard Langer

Martin Kaymer (l.) und Marcel Siem (r.) verabschieden Bernhard Langer | © BMW International Open

Mit 66 noch lange(r) nicht Schluss

 Golf-Dauerbrenner Bernhard Langer, 66, ist der Star der 35. BMW Int. Open in München – 
und weltweit! Wie lange(r) noch?

Diesen Sprach-Gag in Abwandlung des altes Sprichworts konnte sich ein Kollege im Pressezelt der 35. BMW International Open im GC München Eichenried nicht verkneifen: Was Langer wärt, wird immer gut...

Am 27. August wird er 67 – und kann einfach nicht aufhören... „Warum sollte ich, solange es mir gut geht und ich diesen Sport so liebe?“ Doch der Reihe nach: Bernhard Langer kam mit Bruder-Manager Erwin pünktlich und adrett, wie es sich für eine Sternzeichen-Jungfrau gehört, wippenden Schrittes in den Medienraum, begrüßte und umarmte alte Weggefährten unter den Golf-Journalisten und präsentierte sich am Desk neben BWM-Sport-Pressechef Tim Holzmüller – mit (s)einem dicken Mercedes-Stern auf der Brust... Tja, das kann sich auch der größte Veranstalter im weltweiten Golf-Geschäft nicht aussuchen: Der Superstar der deutschen Golf-Szene – seit über vier (!) Jahrzehnten – ist auch bei der 35. Jubiläumsauflage des größten deutschen Golfturnieres nordwestlich von München der Mittelpunkt schlechthin. Auch wenn er nun mal kein bayerisches Auto fährt... 

 

Sein Comeback in München seit 12 Jahren – wie eine Huldigung:

Die TV-Kameras begleiteten ihn schon weit vor dem Pressezelt, die Profi-Kollegen zogen vor ihm (verbal) ihren Hut und alte Weg-und Spielgefährten wie der Spanier Miguel Angel Jimenez verbeugen sich sogar. Bernhard Langer erscheint in diesen Tagen in München wie Pabst & Präsident zugleich – oder wie ein Messias. Die Golf-Gilde weiß natürlich: Hier kommt unser All-Time-Größter der Branche zu seinem Abschied. „Nur, was dieses Turnier betrifft, liebe Leut‘ “, fügt er gleich hinzu. Um klar zu machen: Noch höre ich nicht auf, zu golfen! Warum auch? Bin doch erst 66. Udo Jürgens würde jetzt singen...

Genau das macht ihn aus: Der „längste Langer“ unter all den ca. 3000 Golf-Profis weltweit spielt und spielt und spielt. Nicht einmal ein Achillessehnenriss im Frühjahr – für viele Sportler das Karriere-Aus – hinderte ihn, schon nach 90 Tagen wieder draufzuhauen auf diesen Winzling von Ball, der ihn „nach wie vor fasziniert. Wie vor weit über 40 Jahren, als ich im Münchner Golfclub als Azubi anfing, oder wie zu den Zeiten, als wir zu Beginn meiner Profi-Karriere in den 80er Jahren noch mit Bambusschäften und Balata-Bällen spielten, unsere eigenen Range-Bälle mitbringen mussten, mit Bahn und Bus anreisten und es natürlich noch keine Sponsoren-Chauffeure mit edlen Autos gab. Und nach Severino Ballesteros Tod vor 13 Jahren blieben nur noch ein paar der damaligen Spielgefährten wie Ian Woosnam oder Sandy Lyle – aber die spielen auch schon nicht mehr...“

Bernhard Langer erzählte von früher...

...und die gesamte Journaille lauschte brav, fragte höflich – und bekam ebensolche Antworten. Von einem, der einfach echt und authentisch ist, der nie mit der Öffentlichkeit spielte oder kokettierte, nie schimpfte oder sich gar über irgendetwas beklagte. Nicht seine Art. Er blieb immer er selbst... Würden seine früheren Freunde wie TV-Legende Harry Valerien (der 1985, im Jahr von Boris Beckers historischem Wimbledonsieg beim legendären ersten Masters-Sieg von dem „blonden Bayern“ geradezu schwärmte) oder Franz Beckenbauer noch leben – sie würden sich immer noch verneigen. Jetzt also noch einmal München. Letztmalig. Langers allererster Golfsieg war übrigens 1980 das deutsche Dunlop Masters, und...

Auf was blickt er gerne zurück?

„Natürlich auf meine zwei Masterssiege 85 und 93. Und mit Stolz auch auf den Ryder Cup-Erfolg 2004 in den USA mit mir als Kapitän (davor gewann er die begehrteste Mannschafts-Trophäe der Welt von 1985 bis 2002 fünf Mal als Spieler) – und ganz besonders stolz bin ich auf die fünf Vater und Sohn-Siege mit Stefan und Jason! Die sind für mich als Vater in der Erinnerung sehr bedeutend! Aber wir haben hier in der Pressekonferenz ja nicht so viel Zeit...“ Herrlich, wie er fast entschuldigend schüchtern zum BMW-Pressechef schaute... denn in der Tat: Alle Erfolge dieses Ausnahme-Sportlers aufzuzählen hätte den Zeitrahmen völlig verzogen. Nach ihm kam nämlich noch Italien-Sieger und Langers Münchner Flightpartner (neben Martin Kaymer), Marcel Siem, 47, zur PK, der auch viel zu erzählen hatte. Am besten, man bemüht Bernhard Langers Webpage...da hat das Team um Bruder Erwin, Armin Zäh und Martina Nachtmann alles fein aufgelistet. Ellenlang, sachlich, nüchtern und ohne viele Emotionen. So sind sie nun mal, die Schwaben-Langers aus Anhausen bei Augsburg, wo übrigens Bernhard der Namensgeber der internationalen Bernhard Langer Youth Trophy im GC Augsburg war. 

Bernhard Langers interessanteste Aussagen bei seiner Münchner Kombi „Comeback & Farewell“:

  • Rückblickend freue ich mich, dass ich meinen Abschied von der European Tour in meiner bayrischen Heimat erleben darf. Vor vier Monaten hatte mich mein Bruder vom Flughafen abgeholt und hatte Turnierleiter Marko Kaussler dabei - die beiden haben mich dann überredet, in München nach zwölf Jahren noch einmal anzutreten. Im Nachhinein ein tolle Sache! In Eichenried  war eine großartige Atmosphäre.
  • Ich werde immer öfters nach meinem Aufhören befragt, aber ich spiele, solange ich gesund bin und ich so viel Spaß am Golfen habe. Sportliche Ziele habe ich immer noch, das steckt in mir drin, das ist meine Natur.
  • Das Leben auf der Tour hat sich schon gewaltig verändert. Ich hatte z.B. früher noch einen Sack mit 80 Bällen dabei, weil die normalen gelben Rangebälle nicht gerade die Besten waren. Auch das Material hat sich total verändert. Ich habe als Jugendlicher noch mit Bambusschäften und Ballata-Bällen gespielt. Wenn man die toppte, waren sie kaputt. Die heutigen Bälle könnte ich vier Runden lang spielen...
  • Schon seit Jahren sage ich, dass die Plätze werden immer länger werden - und ich immer kürzer. Deshalb fühle ich mich ja auf der Seniors Tour wohler – da muss ich im Schnitt 400 Meter weniger bewältigen.
  • Der junge Bernhard Langer hat manchmal zu viel trainiert – auch mit Schmerzen. Das würde ich dem alten Bernhard Langer nicht mehr raten. 
  • Die heutigen Spieler sind viel besser durchtrainiert. Schon bei den Kindern merkt man, ob sie eine gute Auge-Hand-Koordination haben, die fürs Golfen so wichtig ist.


Und noch eine Anekdote des Autors zum Schluss:

Als ich vor 25 Jahren bei den BMW Open mein erstes ProAm mit Bernhard Langer spielen durfte, fragte ich ihn bei Loch 17: „Gehen wir alle vier noch auf ein Bier?“ „Natürlich!“, sagte Bernhard. Nachdem wir drei Amateure beim dritten Pils waren, kam er endlich: „Wo wart ihr denn?“ – „Beim Bier, wie ausgemacht!“ – „Und was war mit dem Training?“ Bernhard hatte einen Bunker-Schlag, der auf der Runde nicht so perfekt war, noch eine halbe Stunde lang geübt... Da erfuhr ich erstmals, wie er tickt. Bis heute...

Text: Conny Konzack