Martin Borgmeier mit Dorothee und Olaf Gühring

Golf-Longhitter Martin Borgmeier mit den Bergkramerhof-Besitzern Dorothee und Olaf Gühring

„Öfter mal trainieren...“

Der Münchner Golf-Longhitter Martin Borgmeier, der US Open-Sieger Bryson DeChambeau formte, im Interview – mit Tipps für Amateure

Martin Borgmeier, Golf-Longhitter-Weltmeister von 2022 mit fast 390 Metern, ist einer der Buddys des frischgebackenen US Open-Siegers Bryson DeChambeau, 30. Top Magazin befragte ihn während des Europarekordes im GC Bergkramerhof bei Wolfratshausen:

Was konnte DeChambeau von Dir lernen?

Martin Borgmeier: In erster Linie die Schwungmechanik. Wir haben in den letzten fünf Jahren sehr viel an seinem Spiel upgegradet. Im Longdrive gilt ja nur der eine gezielte Ball, der lang sein muss. Darin war er ja auch schon mal sehr gut. Aber das kann man für das normale Golf nicht umsetzten – es sind zwei verschiedene Sportarten. Jetzt hat Bryson seinen Weg auf der Tour gefunden und ist stetig besser geworden.


Wie seid ihr zusammen gekommen?

Über Social Media. Er hat irgendwann mal auf meine Story reagiert und mich angeschrieben. Er ist ja als Golf-Professor bekannt geworden, zieht sich in jede Sache extrem intensiv rein und arbeitet auch sonst so. Bryson ist einer, der alles immer hard core machen muss, immer volle Pulle. Das ist sein Naturell.

Wie war Dein Kontakt nach dem US Open-Sieg?

Er hat mir ein Bild geschickt, im Bett mit Trophäe im Arm!

Welche Veränderungen siehst Du am US-Champion?

Eine sehr sehr große. Weg vom Muskelmann mit jetzt zehn Kilo weniger, dafür hat er menschlich sehr viel zugelegt. Er ist wie ein anderer Mensch.

Normale Golfer schlagen ihre Driver gerade mal 170 bis 200 Meter. Wie kämen sie weiter?

Durchs Trainieren! Für die meisten Golfer gilt meines Erachtens: Es wäre gut, mal an den richtigen Sachen zu arbeiten: Wir wissen heute doch so viel mehr über Golf, deshalb wäre öfters mal ein Lauch Monitor oder ein Trackman auch für Amateure gut. Es zählen ja nur drei Faktoren, die den Ball weiter fliegen lassen: Ballgeschwindigkeit, Abflugwinkel und Spin Rate – sich dem bewusst zu werden, wäre schon mal vorteilhaft. Wir Longhitter verbringen übrigens 80 Prozent unserer Zeit auf der Driving Range – die Explosivkraft zählt ja bei uns!

Wie misst man eigentlich bei Longhittern die Bälle bis zu 400 Meter? Unsere Driving Ranges sind doch gar nicht so lang...

Stimmt. Wir müssen uns immer arrangieren: Aber in München gibt es ja zum Beispiel auf Bahn 1 im Golfpark Aschheim oder auch im Münchner Golfclub noch sehr lange Löcher, wo unsereins trainieren kann. Und was das messen unserer Bälle betrifft: Bei uns werden ja die gleichen Bälle für alle vorgegeben, aber sie sind verschieden farbig. Dann wird den Leuten vorne gefunkt, wer welche Farbe geschlagen hat.

Die Leistungsdichte ist im Golf unglaublich groß geworden. Ist Golf wirklich neben Stabhochsprung und Eiskunstlauf die schwierigste Sportart?

Absolut! Golf ist am schwierigsten, weil kaum eine Sportart koordinativ so viel fordert. Dazu kommt im Golfsport das rotative Element hinzu – und last but not least gibt es sehr viele Variablen in der ganzen Golfschwung-Bewegung. Jede ist anders...

Hat Longdrive generell Potential, auch in Deutschland populärer zu werden?

Oh ja! Potential sehe ich in den verschiedenen Charakteren – einer von uns tritt zum Beispiel immer nur als Holzhacker im entsprechenden Shirt auf, es ist schon fast wie im Wrestling. Es hat sehr viel Entertainment-Faktor. Zudem sehe ich Potential im Educational Bereich. Was wir machen ist super extrem. So etwas zieht viel schneller Ergebnisse...

Ist das gesund?

Gute Frage. Eigentlich ist Golf und speziell Longdrive für den Körper eine Katstrophe, weil wir doch sehr einseitig agieren. Das Gesunde aber überwiegt: die frische Luft und das viele Gehen.

Was hättest du gerne von Deinem Freund Bryson DeChambeau, den du mit groß gemacht hast?

Seinen Kontostand...

Interview: Conny Konzack