BMW International Open-Turnierdirektor Marco Kaussler. Im Hintergrund der bisher einzige deutsche Sieger Martin Kaymer | © Sebastian Heisele / Stefan Heigl
Marcel Siem | © Stefan Heigl
Matti Schmid | © Stefan Heigl
Stephan Jäger | © Harry How / Getty Images
Daniel Brown, Gewinner der 36. BMW International Open | © Stefan Heigl
37. BMW International Open:
Wohin bewegt sich der Golfsport?
Interview mit Turnierdirektor Marco Kaussler
Wie hat sich der Golfsport aus der Sicht eines absoluten Insiders und Turnierdirektors entwickelt, der das ganze Jahr mit den Profis zu tun hat?
Als ich mit Golf anfing, Ende der 80er Jahre, ging ein richtiger Boom durchs Land. Die Begeisterung derer, die aktiv am Golfsport teilnehmen, ist seitdem ungebrochen.
Welche Überraschungen gab es in all den Jahren?
Die große Überraschung war mit Sicherheit der Start von LIV Golf. Die Zeit wird zeigen, wie sich das weiter darstellt und wie sich die professionelle Golfwelt in den nächsten Jahren präsentiert. Positiv kamen allgemein betrachtet dadurch sicherlich neue, tolle Akzente. Und noch nie konnte der Fan in Deutschland im TV so viel Golf schauen.
Kaum ein Deutscher hat so ein globales Golf-Wissen wie Sie. Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich?
In den letzten Jahren haben wir wirklich tolle deutsche Talente nach oben kommen sehen. Natürlich: Die Karriere von Bernhard Langer und was er für den Golfsport in Deutschland getan hat, war und ist immer noch unglaublich. Dann kam Martin Kaymer mit seinen zwei Major-Siegen und hat daran angeknüpft, aber auch Spieler wie Alex Cejka oder Marcel Siem haben mehrfach auf verschiedenen Touren gewonnen, was uns auch immer weitergebracht hat. Und jetzt haben wir eine neue Generation, die sich auch in Amerika integriert hat, wie Stephan Jäger und Matti Schmid. Da hat eine tolle Begeisterung über die letzten Jahre stattgefunden. Und sicherlich werden künftig noch weitere Talente die deutschen Fahnen im internationalen Profisport hochhalten. Man muss dabei auf jeden Fall auch festhalten, dass es jetzt im Golf-Profisport sehr, sehr viel Geld zu verdienen gibt und jeder Spieler die Möglichkeit hat, davon zu profitieren. Wenn er bereit ist, sehr sehr hart zu trainieren...
Wie sieht’s im Amateurbereich aus?
Die Erfolge bei den Jugendlichen, bei den Damen als auch bei den Herren auf der Amateur-Ebene muss man unterstreichen – ein Erfolg der guten Ausbildung, die das deutsche Golf seit dem Sieg Martin Kaymers in München 2008 erfährt. Speziell bei den Mädchen und jungen Damen.
Zu der BMW International Open: Wann kommen mal absolute Weltstars nach München?
Wir versuchen natürlich immer, Top-Spieler nach München zu bewegen, was wegen der diversen Turnierverpflichtungen oft schwierig ist. Die Thematik stellt sich jedes Jahr, aber wir haben auch dieses Jahr wieder ein sehr attraktives Spielerfeld, u.a. mit allen besten deutschen Spielern. Zudem kommen ehemalige Majors-Sieger wie Sergio Garcia oder Patrick Reed und kommende Top-Stars wie Carlos Ortiz. Zudem Publikumslieblinge wie Rafa Cabrera Bello und Andrew „Beef“ Johnston, der starke Südafrikaner Thriston Lawrence oder erfreulicherweise auch der Österreicher Bernd Wiesberger, der mit seinem Sieg im April in China nach fünfjähriger Durststrecke ein tolles Comeback lieferte. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die ganz großen Namen auch wieder bei der BMW International Open sehen werden.
Hört, hört... Wie stellt sich denn die PGA Tour künftig neu auf?
Der neue CEO Brian Rolapp will die Saison kürzen, erst später anfangen und dadurch verschiebt sich der internationale Turnierkalender. Das gibt uns die Chance, auch Top-Stars mal nach München zu holen. Aber erstmal müssen seine Spieler den neuen Plänen zustimmen – und dann natürlich auch die Sponsoren, TV-Partner, die Medien und so weiter. Da wird es schon größere Änderungen geben. Bei der BMW PGA Championship in Wentworth haben wir ja immer ein Top-Teilnehmerfeld. Und bei der BMW International Open in München werden wir dann nächstes Jahr wohl auch einen neuen Termin bekommen.
Der Platz in Eichenried wurde ja mehrmals optimiert. Haben sich da die Profis eingebunden?
In der Tat. Der Platz war aber vom ersten Jahr 1989 bis heute immer ein guter, solider Turnierplatz, der über vier Jahrzehnte mit dem Profisport mitgewachsen ist. Es wurde eine größere Driving Range realisiert und der Platz ist immer noch sehr, sehr attraktiv.
Bei den BMW Open Tennis vor einigen Wochen merkte man die professionelle Hand von BMW deutlich – wie ist es im Golf?
Ich muss BMW für das Engagement der letzten 37 Jahre mal einen großen Dank aussprechen. Nicht nur im Profisport, wo sie ja bei der BMW PGA Championship in London und Australien, der BMW Championship in den USA und Japan, der BMW Ladies Championship und bei uns, bei der BMW International Open, engagiert sind, sondern auch für über 40 Jahre Engagement mit dem BMW Golf Cup, der größten Amateur-Turnierserie der Welt, die einfach Begeisterung bei Kunden und Interessenten weckt.
Wo spielt ein Turnierleiter, der weltweit unterwegs ist, selbst am liebsten Golf?
Leider spiele ich in den letzten Jahren immer weniger Golf. Aber der New South Wales Golf Club in Sydney bleibt für mich der schönste Golfplatz, den ich bisher gespielt habe.
www.bmw-golfsport.com
Text: Conny Konzack