Fußball-Insider Matze Knop im Interview | © Stephan Pick
Sein neues Programm heißt "Spitzenreiter" | © Stephan Pick
Verkleidungskünstler Matze Knop | © Stephan Pick
Glaubt an den Titelgewinn: Matze Knop | © Stephan Pick
Fußball-Insider Matze Knop im Interview – übers Grätschen, das Handspiel und über eine „Katastrophe“
„Wir werden Weltmeister, wenn...“
Kaum sind die Vereinstermine vorbei, „droht“ uns die WM mit 48 Teams – ist das nicht ein wenig aufgebläht?
Sagen wir mal so: Auf der einen Seite freut es mich, dass auch kleine Länder eine Möglichkeit haben, daran teilzunehmen. Zum Beispiel für die Menschen in Curaçao freut es mich, dass auch sie mit ihrem Land mitfiebern können. Wir Deutsche, die Franzosen und die Spanier können das ja oft – die Italiener ja eher nicht mehr so (lacht)... Auf der anderen Seite muss man natürlich aufpassen, dass es nicht zu einer WM wird, die nachher acht Wochen dauert und bei der es wahnsinnig viele Spiele gibt, die belanglos sind. Wir wissen natürlich alle, warum das so ist: Weil es immer auch um Politik geht. Eine Mischung fände ich gut, ohne dass das Ganze aufgebläht wird.
Müssen wir nicht befürchten, dass die WM eine Trump- und Infantino-Show wird?
Natürlich wird jeder versuchen, seine Punkte zu machen, das war aber auch in der Vergangenheit nicht anders. Egal, in welchem Land jetzt die Fußball-WM oder -EM stattfindet. Angela Merkel war 2014 im Stadion in Rio de Janeiro sogar in der Kabine der Spieler. Da weiß doch jeder Politiker, dass man nicht nur ein Fan ist, sondern hier und da ein paar politische Punkte machen kann. Man muss halt aufpassen, dass es nicht zu viel des Guten wird und der Sport Schaden nimmt. Wenn die Leichtigkeit, die Fußball eigentlich haben sollte, und diese Unbeschwertheit und schönste Nebensache der Welt irgendwann komplett in Richtung Politik abrutschen, fände ich das mehr als schade.
Es gab ja auch noch nie eine WM in drei Ländern, die sich politisch nicht ganz grün sind.
Ich bin kein Freund davon, eine WM in drei verschiedenen Ländern gleichzeitig auszutragen. Beispiel: Bei einer WM nur in Mexiko taucht man ja auch als Zuschauer vor dem Fernseher in diese mexikanische Welt ein, was sehr schön ist. Man erfährt etwas über dieses Land und über die Menschen. Wenn du das in drei oder fünf Ländern hast, funktioniert das für mich nicht. Ich finde es besser, wenn ein solches Turnier in einem Land stattfindet. Wenn die WM zum Beispiel in Italien stattfindet: Dann will ich auch einfach diese italienische Stimmung, die italienische Lebensart, Pizza, Pasta etc.
Außerdem kommt ja jetzt mit USA, Kanada und Mexiko für den Fan hinzu, dass alle Stadien unglaublich weit auseinanderliegen. Für den Geldbeutel des Fußballfans ist das nicht gut... Wenn jetzt eine Mannschaft in Seattle spielt und das nächste Mal in Mexiko City, ist das mit unfassbaren Reisekosten verbunden – das können sich viele Fußballfans, die nicht so gut betucht sind, gar nicht leisten. Deswegen sollte man das mit den drei Ländern grundsätzlich nicht wiederholen.
Ist zu hoffen, dass uns die WM etwas von der tagtäglich harten Wirklichkeit ablenkt, oder kann der Fußball sogar Frieden schaffen?
Beides. Also natürlich sind Fußballturniere immer ein bisschen Ablenkung, was ich nicht unbedingt negativ bewerte, denn das tut ja mal ganz gut. Und wenn es auch nur ist, dass man sich über ein Unentschieden gegen Ecuador oder gegen die Elfenbeinküste aufregt... Der Fußball kann auch Frieden schaffen, wenn zum Beispiel zwei Teams aufeinandertreffen, deren Länder gerade in einem Konflikt sind. Und deswegen hat es für mich auch eine symbolische Wirkung, wenn man sagt: Schau mal, auf dem sportlichen Territorium begegnet man sich mit dem nötigen Respekt.
Fast jeder Deutsche kennt Matze Knop als Fußballkenner. Hast du eigentlich mal selbst gekickt?
Ja, selbstverständlich. In der A-Jugend-Landesliga, dann in der Kreisliga und auch in der Bezirksliga. Ich bin heute immer noch als Kapitän in der Komiker-Nationalmannschaft aktiv und trainiere bei der ersten Mannschaft meines Dorfvereins bei Lippstadt mit, damit ich für meine Bühnenauftritte fit bleibe. Ich kann ja nicht eine Spitzenreiter-Tour machen, in der ich auf die Kacke haue, und dann stehe ich da auf der Bühne und bewege mich wie ein Sack. Deswegen ist Fußball auf jeden Fall Teil meines Lebens, meiner DNA – und ich spiele immer noch.
Welche Faszination übt der Fußball generell auf dich aus?
Fußball ist zunächst einmal eine Spielsportart. Man läuft nicht, um zu laufen, sondern um den Ball zu bekommen und ihn dann möglichst im Tor unterzubringen oder zu verhindern, dass ein anderer ein Tor schießt. Das finde ich schon mal gut. Und: In einer Mannschaftssportart lernt man auch fürs Leben, gerade Jugendliche lernen, sich sozial zu verhalten und auch für den Mitspieler einzustehen, auch mal für andere mitzulaufen, vielleicht sogar Konflikte zu lösen. Das finde ich gut. Zudem finde ich einfach geil, dass es draußen stattfindet. Fitnessstudio, Badminton oder Tennis in der Halle ist auch alles mega. Aber es gibt ja nichts Besseres als Sport an der frischen Luft. Deswegen dominiert Fußball einfach in vielen positiven Bereichen – beim Fußball musst du nicht einmal die Sprache der anderen sprechen. Trotzdem weiß jeder, was er zu tun und zu lassen hat, wenn da so ein Ball in der Mitte liegt. Das ist einfach das Schöne am Fußball.
Gibt es für dich eine Fußball-Philosophie?
Schwierig. Man sieht ja, dass die Spielsysteme sich doch von Zeit zu Zeit immer wieder verändern. Eine Zeit lang hatten wir Tiki-Taka, dann das absolute Pressing und Forechecking. Dann gibt es wieder Spielsysteme, bei denen es darum geht, dem Gegner vielleicht den Ball zu überlassen und selbst auf schnelle Konter zu setzen. Also am Ende hatte Franz Beckenbauer schon nicht ganz Unrecht, dass letztlich der runde Ball ins eckige Tor muss...
Ich würde mich freuen, wenn wir Deutschen wieder attraktiven Fußball spielen, sofern wir damit auch genug Punkte holen. Natürlich habe ich mich über das Champions-League-Halbfinal-Hinspiel zwischen Paris und Bayern gefreut. Vom Entertainment-Faktor war das 4:5 das Geilste. Aber wenn man selbst Fußball spielt oder gespielt hat, kann auch ein 0:0 ein sehr attraktives Ergebnis sein. Zumindest wenn es durch besondere, taktische Raffinesse erreicht wurde. Aber das ist natürlich was für Kenner. Der Ami würde sagen: Ein Spiel, das 0:0 ausgeht, ist kein Spiel.
Jetzt zu den ewigen Diskussionen: Zum Beispiel das Grätschen von hinten. Sollte es deiner Meinung nach unterbunden werden?
Das ist immer eine Auslegungssache. Ist es von hinten oder mehr von der Seite? Und wenn einer grätscht und den Ball erwischt oder ein gutes Tackling macht, dann kann man ja schlecht sagen, das ist nicht erlaubt. Ich wäre grundsätzlich bei einem bösen Foul, das die Gesundheit des Spielers gefährdet, bei den gelben und roten Karten hart. Aber für Meckerei oder so finde ich es immer ein bisschen albern. Natürlich muss sich der Schiedsrichter Respekt verschaffen und den Protagonisten auch mitteilen, was passiert, wenn hier weiter diskutiert wird. Aber wo fängt man an, wo hört man auf? Beim Hochgeschwindigkeitsfußball liegen Ball und Beine sehr nah beieinander. Grundsätzlich glaube ich, dass ein Spieler schon weiß, ob er noch eine Chance hat, an den Ball zu kommen.
Wie ist deine Meinung zu den Videobeweisen, zu den Millimeter-Entscheidungen und zu dem Thema Handspiel?
Katastrophe! Ich halte davon gar nichts. Beispiel Abseits. Man kann sagen: Bei Millimetern oder Zentimetern, wo fängst du jetzt an? Grundsätzlich bin ich im Zweifel für den Angreifer, wenn ich ehrlich sein soll. Weil ich finde, eine gezogene Linie kann doch keine saubere Antwort sein. Mir tun auch manche Schiedsrichter leid, die dann warten und den Videobeweis anschauen müssen. Ich möchte kein Schiedsrichter sein und finde auch nicht, dass der Videobeweis den Sport besser und gerechter gemacht hat, weil man als Zuschauer immer noch gar nicht gerafft hat: Wann darf der Schiri denn jetzt überhaupt eingreifen? Und Handspiel? Nochmals Paris-Bayern: Da springt einem Bayern-Spieler das Ding an die Hand, es wird gepfiffen, und dann ist es wenige Minuten später genau umgekehrt und es wird nicht gepfiffen.
Zurück zur WM: Nagelsmann hat ja ungefähr 80 Millionen Co-Bundestrainer. Sind die Deutschen noch Weltklasse?
Ja, in der Offensive sind wir schon sehr gut, da haben wir wirklich eine unfassbare Qualität. Unsere Achillesferse ist aber absolut die Abwehr. Ich halte es trotzdem für möglich, dass Deutschland den Titel holt. Warum nicht? Es hängt auch davon ab, wie gut man ins Turnier kommt und vor allem: Ist man eine Mannschaft? Die Einzelspieler sind zwar wichtig, aber dieser Mannschaftsgedanke, diese eingeschworene Truppe, dieser eingeschworene Haufen, der ist schon nicht zu unterschätzen. Und wenn die wirklich eine Team-Atmosphäre schaffen, halte ich es durchaus für möglich, dass wir Weltmeister werden. Aber den Weltmeister, der mit Pauken und Trompeten alles in Grund und Boden spielt, musst du erst mal finden. Von daher würde ich mir wünschen, dass wir gar nicht so sehr auf die anderen schauen, sondern diese eigenen Tugenden entwickeln.
Kommt das Thema Fußball diesen Sommer in deinen Shows vor?
Na klar kommt Fußball vor. Mein Programm heißt ja schließlich „SPITZENREITER“. Ich spreche natürlich über die Bundesliga, über Schalke, Dortmund, Bayern, Leverkusen, Köln, Werder Bremen – je nachdem, in welchem Ort ich gerade auftrete.
Gibt es einen Fußball-Witz, den du immer wieder gerne hörst?
Ich mache ja selber immer meine Witzchen in den Parodien. Im Moment freuen sich alle, wenn sie beim Italiener in der Pizzeria anrufen und eine Pizza non qualificatione bestellen.
Interview: Conny Konzack
Matze Knop...
…ist zusammen mit Mola Adebisi Moderator der Arena Deutschland Tour „90s Super Show“. Hier treten alle großen Acts der 90er auf – Matze moderiert und ist auch als Supa Richie dabei. Seine soziale Ader: Er ist Schirmherr der Stiftung Kinderlachen e.V. und des Numero Uno Cups in Lippstadt, die sich für benachteiligte Kinder in NRW einsetzen.
kinderlachen.de/unterstutzer/matze-knop
www.matzeknopstiftung.de
Legendäre Parodien
SPITZENREITER heißt Matze Knops diesjährige Tour mit legendären Parodien, in denen Kloppo, Jogi, Ronaldo, Lodda und der Diedää Pflicht sind. Aber es geht um mehr. Denn Matze Knop nimmt sein Publikum mit in dessen eigene Vergangenheit der 80er, 90er und 2000er. Ohne WLAN, aber mit ewig hungrigem Tamagotchi. Wer erinnert sich nicht an das erhebende Erlebnis, einen Fernsehbildschirm beim zeitlupenhaften Aktualisieren der Teletext-Seite anzustarren? Oder wie war das noch, als man beim Messaging-Dienst ICQ mit einem fröhlichen „Uh-oh!“ begrüßt wurde? Früher war sicher nicht alles besser – aber lustig.
Genussvoll kitzelt Matze Knop nostalgische Gefühle hervor und kontrastiert die wilden Tänze zu Songs von Wham! und den Backstreet Boys mit den inflationär melancholischen Tracks heutiger Songwriter. Und dann ist da noch Supa Richie. Der kam einst „angefliescht“, um eine „Perle“ für sich klarzumachen. Heute undenkbar!
Das Publikum ist immer mittendrin, wenn Matze Knop auf der Bühne steht. Spontan, schlagfertig und immer nah am Publikum! Denn Improvisation und Interaktion gehören für ihn zusammen. Überraschungen bilden den Kern: Ob Fußball, Parodien, Politik oder popkulturelle Kapriolen – Matze Knop ist und bleibt der SPITZENREITER der guten Laune.
Das 2026er Programm ist ein wilder Ritt durch Vergangenheit, Gegenwart und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Witzig, rasant, spontan und immer auf der Überholspur. Denn: Wer lacht, führt!
Die große Tour ab Frühjahr 2026:
www.matzeknop.de