BMW Open-Turnierdirektor Patrick Kühnen | © Getty Images / Alexander Hassenstein
Patrik Kühnen mit Vorjahressieger Alexander Zverev | © Felix Diemer
Top-Ten-Spieler Ben Shelton | © BMW Open by Bitpanda
Top-Ten-Spieler Alexander Bublik | © ZDF/Nadine Rupp
Top-Ten-Spieler Taylor Fritz | © ZDF/Nadine Rupp
Der Centre Court des MTTC Iphitos bei den BMW Open in München | © BMW Open by Bitpanda
Kennen sich seit 40 Jahren: Patrik Kühnen und Conny Konzack | © Top Magazin München
„Diese Emotionen“
BMW Open-Turnierdirektor Patrik Kühnen im TOP-Interview
Wenn man sich über 40 Jahre kennt, darf man sich im Interview schon mal duzen: Patrik Kühnen, 60, ist eine der prägenden Figuren des deutschen Tennissports. Mit Boris Becker, Michael Stich, Charly Steeb und Eric Jelen gewann er 1988, 1989 und 1993 den Davis Cup. Auch danach blieb er dem Tennis eng verbunden: als Davis-Cup- und World-Team-Cup-Captain, seitdem als TV-Experte bei Sky und Eurosport – und seit 18 Jahren als Turnierdirektor der BMW Open in München.
Patrik, woran machst du die Renaissance des Tennissports fest?
Vor allem an den aktuellen Topspielerinnen und -spielern. Bei den Damen etwa Sabalenka, Świątek, Gauff oder junge Talente wie Iva Jovic. Bei den Herren folgte auf die Ära Djokovic, Nadal und Federer ein neues, elektrisierendes Duo: Alcaraz und Sinner. Diese Spieler begeistern weltweit, besonders auch junge Fans – und ihre Strahlkraft reicht bis in die deutsche Tennisszene.
Und wie sieht deine persönliche Faszination des Tennissports aus?
Ich liebe Tennis nach wie vor und spiele zweimal pro Woche mit Freunden – rein aus Spaß. Matches oder Mannschaftswettbewerbe brauche ich nicht mehr. Ich war mein Leben lang viel unterwegs, heute steht die Familie im Mittelpunkt. Das genieße ich sehr.
Die BMW Open by Bitpanda werteten sich 2025 als neues 500er Turnier auf. Schätze München mal aus internationaler Sicht ein.
Es gibt 16 ATP-500-Turniere weltweit. Unsere Premiere 2025 war enorm stark: an allen neun Tagen ausverkauft, über 70.000 Fans. Mit Alexander Zverev, Taylor Fritz, Ben Shelton und Alexander Bublik haben wir dieses Jahr erstmals vier Top-Ten-Spieler am Start – das ist ein starkes Signal. Was München besonders macht, ist das Club-Ambiente. Wir spielen weiterhin in einem der schönsten Tennisclubs Deutschlands. Die Nähe zwischen Spielern und Zuschauern ist außergewöhnlich, diese persönliche Atmosphäre gibt es auf der Tour nur selten. Dazu kommt die Höhenlage von über 500 Metern – für Offensivspieler durchaus interessant. Viele kommen von Monte Carlo auf Meereshöhe und brauchen hier ein paar Tage Eingewöhnung. Wer in München gut spielt, hat in Madrid beim ATP-1000-Turnier auf 700 Metern Vorteile.
Wie bekommst du immer wieder Stars an die Isar? Spricht es sich in den Umkleideräumen herum, wie toll München ist?
Die BMW Open by Bitpanda haben eine langjährige Tradition, und wir legen großen Wert auf persönliche Betreuung, welche die Spieler sehr schätzen. Jeder Spieler – vom Topstar bis zum Qualifikanten – soll sich mit seinem Team wohlfühlen. Dazu kommen die Stadt München, der Englische Garten und die besondere Turnierkultur. Dieses Gesamtpaket überzeugt. Und natürlich spricht sich so etwas auf der Tour herum.
Neben dem Turnierleiter-Job bist du TV-Kommentator bei Sky und Eurosport. Wie schafft ihr es immer wieder, die Übertragung so realistisch zu gestalten, obwohl ihr im Münchner Studio seid?
Auch dank moderner Technik. Wir arbeiten mit dem World Feed, werden von ATP- und WTA-Media bestens versorgt. Für mich ist entscheidend, ein Match so zu „übersetzen“, dass sich der Zuschauer auskennt, begeistert ist und sich wohlfühlt. Gute Vorbereitung ist dabei unerlässlich – egal ob Australian Open, French Open oder die Turniere während der Saison. Beeindruckend finde ich auch die technischen Möglichkeiten, etwa wenn Spieler virtuell ins Studio zugeschaltet werden. Das funktioniert mittlerweile sogar akustisch hervorragend. Die On-Court-Interviews tragen ebenfalls viel zur Lebendigkeit der Übertragung bei.
Schätze mal deine Mit-Kommentatoren ein.
Ich arbeite mit sehr kompetenten und angenehmen Kollegen zusammen. Boris Becker, Michael Stich, Markus Zoecke, Barbara Rittner, Andrea Petkovic und Philipp Kohlschreiber bringen enorme Erfahrung mit. Man spürt, welches Fachwissen sie haben, und dabei hat auch jeder Einzelne seine eigene persönliche Note.
Stimmt das ganze Punktesystem im globalen Tennis noch, das Ranking? Oder würdest du etwas optimieren?
Ich finde das System heute deutlich transparenter und fairer als noch vor einigen Jahren. Da wurde auf ATP-Seite viel verbessert. Insgesamt ist das Ranking gut verständlich und sportlich nachvollziehbar.
Sind für dich die Tennisregeln noch up to date, oder sollte z.B. die Aufschlaglinie näher zum Netz sein oder die Bälle größer?
Größere Bälle wurden einmal getestet – das Resultat war ernüchternd: kaum noch Winner, lange Ballwechsel ohne Dynamik. Aber genau diese spektakulären Punkte machen Tennis aus. Denken wir an epische Matches wie die beiden Halbfinalspiele, also Zverev – Alcaraz und Djokovic – Sinner in Melbourne: Spiele, über die man noch ewig spricht.
Tennis lebt von Emotionen. Und anderen Aspekten: Mut, Selbstvertrauen, Kondition, Technik, Taktik, mentale Stärke und Disziplin. Diese Mischung macht den Sport einzigartig – unabhängig vom Leistungsniveau.
Wen hättest du ganz gerne mal in München dabei?
Natürlich würden wir uns freuen, wenn auch einmal die Nummer eins der Welt bei uns aufschlägt – etwa Alcaraz oder Sinner. Doch Turnierabfolge und besonders die persönliche Terminplanung spielen eine große Rolle. Wir bleiben auf alle Fälle positiv gestimmt und zuversichtlich.
Ein Fazit deiner Karriere?
Ich bin sehr dankbar, dass ich Tennis in so vielen Rollen erleben durfte: als Spieler, Davis-Cup-Captain, Kommentator und Turnierdirektor. Und ich freue mich, dass ich körperlich fit bin und selbst noch regelmäßig spiele. Sogar Eisbäder gehören inzwischen zu meinem Programm – vier- bis fünfmal pro Woche, jeweils etwa drei bis vier Minuten.
Interview: Conny Konzack